Milchzähne und Karies: So schützen Sie die Zähne Ihres Kindes
Milchzähne fallen zwar aus – trotzdem sind sie für Kauen, Sprechen und die bleibenden Zähne unverzichtbar. Mit ein paar festen Gewohnheiten lässt sich Karies bei den meisten Kindern vermeiden.

Warum Milchzähne so wichtig sind
Ein Kind bekommt 20 Milchzähne. Der erste bricht meist um den sechsten Lebensmonat durch, mit etwa zweieinhalb bis drei Jahren ist das Milchgebiss vollständig. Die letzten Milchbackenzähne bleiben oft bis zum elften oder zwölften Lebensjahr im Mund – also viele Jahre lang.
- Kauen: Wer gut kauen kann, isst abwechslungsreicher und mit Genuss.
- Sprechen: Die Schneidezähne helfen bei der Bildung vieler Laute.
- Platzhalter: Jeder Milchzahn hält den Platz für seinen bleibenden Nachfolger frei. Geht er zu früh verloren, können Zahnfehlstellungen entstehen.
- Gesundheit: Unbehandelte Karies kann Schmerzen und Entzündungen verursachen und im ungünstigen Fall auch den bleibenden Zahn darunter schädigen.
Wie Karies an Milchzähnen entsteht
Karies entsteht, wenn Bakterien im Zahnbelag Zucker zu Säuren verarbeiten. Diese Säuren lösen Mineralien aus dem Zahnschmelz. Der Schmelz von Milchzähnen ist dünner als der von bleibenden Zähnen – deshalb schreitet Karies hier schneller voran. Entscheidend ist dabei weniger die Zuckermenge als die Häufigkeit: Jeder Schluck Saft und jeder Keks zwischendurch startet einen neuen Säureangriff.
Eine besondere Form ist die frühkindliche Karies, oft „Nuckelflaschenkaries“ genannt. Sie beginnt meist an den oberen Schneidezähnen, wenn ein Kind häufig oder nachts aus der Flasche trinkt – besonders bei gesüßtem Tee, Saft oder Saftschorle. Erste Anzeichen sind weißliche, kreidige Streifen am Zahnfleischrand.
Kariesbakterien werden übrigens nicht vererbt, sondern übertragen, zum Beispiel wenn Erwachsene den Schnuller oder den Löffel ablecken. Gesunde Zähne der Eltern schützen deshalb auch das Kind. Mehr dazu im Ratgeber Schwangerschaft und Baby.
Zähneputzen und Fluorid nach Alter
Fluorid härtet den Zahnschmelz und macht ihn widerstandsfähiger gegen Säuren. Seit 2021 gibt es dazu eine gemeinsame Empfehlung von Kinderärzten und Zahnärzten in Deutschland:
| Alter | Zahnpasta | Menge | Wer putzt? |
|---|---|---|---|
| erster Zahn bis 2. Geburtstag | Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid | reiskorngroß, 2 × täglich | Eltern |
| 2 bis 6 Jahre | Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid | erbsengroß, 2 × täglich | Kind übt, Eltern putzen nach |
| ab 6 Jahren | Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid (Junior- oder Erwachsenenzahnpasta) | erbsengroß bis etwa 1 cm, 2 × täglich | Kind putzt, Eltern putzen nach |
Im ersten Lebensjahr ist alternativ auch eine fluoridfreie Zahnpasta zusammen mit Fluoridtabletten möglich. Das besprechen Sie am besten mit uns oder Ihrer Kinderarztpraxis. Wichtig ist nur, Fluorid nicht doppelt zu geben. Fluoridiertes Speisesalz im Haushalt ergänzt den Schutz.
Nachputzen: die wichtigste Aufgabe der Eltern
Gründlich putzen können Kinder erst, wenn ihre Feinmotorik gut entwickelt ist. Eine bewährte Faustregel: wenn sie flüssig schreiben können, meist in der zweiten oder dritten Klasse. Bis dahin putzen Eltern mindestens einmal täglich gründlich nach, am besten abends.
- Gute Position: Kleine Kinder liegen mit dem Kopf auf Ihrem Schoß. Größere stehen vor Ihnen und lehnen den Kopf an Ihren Körper.
- Feste Reihenfolge: erst die Kauflächen, dann die Außenflächen, dann die Innenflächen. So wird keine Stelle vergessen.
- Kleine Bürste: eine weiche Kinderzahnbürste mit kurzem Kopf, die alle zwei bis drei Monate gewechselt wird.
- Ritual statt Kampf: ein Zahnputzlied, eine Sanduhr oder abwechselnd putzen. Das Nachputzen bleibt Pflicht, darf aber Spaß machen.
In unserer Zahnputzschule zeigen wir Kindern und Eltern, wie gründliches Putzen gelingt.
Zahnfreundlich essen und trinken
- Die besten Durstlöscher sind Wasser und ungesüßter Tee. Saft, Limonade und gesüßter Tee gehören nicht in die Nuckelflasche.
- Die Flasche ist zum Trinken da, nicht zum Einschlafen oder Herumtragen. Ab etwa dem ersten Geburtstag lohnt der Umstieg auf einen offenen Becher.
- Süßes lieber einmal am Tag zu einer Mahlzeit als über den Tag verteilt.
- Vorsicht bei verstecktem Zucker: Quetschbeutel mit Fruchtmus, Kinderjoghurt, Müsliriegel und Trockenobst.
- Zahnfreundliche Snacks sind Gemüsesticks, Käsewürfel, Vollkornbrot und Obst zu den Mahlzeiten.
Karies erkennen – und was dann?
Beginnende Karies zeigt sich als weißer, matter Fleck. Später verfärben sich die Stellen gelblich bis braun, und es entstehen Löcher. Im frühen Stadium lässt sich Karies oft noch durch Fluorid und gründlichere Pflege aufhalten. Ist bereits ein Loch entstanden, versorgen wir den Milchzahn möglichst schonend, zum Beispiel mit einer zahnfarbenen Füllung. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen so wichtig: Je früher Karies entdeckt wird, desto kleiner ist der Eingriff.
Häufige Fragen zu Milchzähnen
Ist Karies an Milchzähnen wirklich schlimm? Sie fallen doch aus. +
Ab wann braucht mein Kind Zahnpasta mit Fluorid? +
Was tun, wenn sich mein Kind nicht die Zähne putzen lässt? +
Bis wann ist ein Schnuller in Ordnung? +
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